Büchlberg und der Goldene Steig

Aus dem Jahre 1958 datiert der erste Werbeprospekt für die »Sommerfrische BÜCHLBERG« (542 m ü.d.M.) am »Goldenen Steig«. Man bietet den Gästen »Erholung, Entspannung und Ruhe« an: »herrliche Südlage in waldreicher Umgebung, Spazierwege im Wald mit Ruhebänken. Rundblick zu den Bergen des Bayerischen- und Böhmerwaldes. Bei guter Sicht Fernblick bis in die Ost-Alpenkette. Badegelegenheit in der nahen Erlau.«

Der flüchtige Leser könnte daran denken, daß es sich bei diesem »Goldenen Steig« wohl um einen gut ausgebauten Wanderweg handeln muß; »golden« wahrscheinlich deshalb, weil dem Fremdenverkehr bei entsprechender Werbung eine »goldene« Zukunft beschieden sein werde. Doch erst in jüngerer Zeit wurde das »Wandern auf den Spuren der Salzsäumer« durch entsprechenden Ausbau und Markierung der vier Hauptrouten zu einer der vielen Erholungsmöglichkeiten in unserer Umgebung.
Ursprünglich jedoch war der »Goldene Steig«, die »Guldenstraß«, wie sie auch genannt wurde, genau das Gegenteil eines gemütlichen Wanderweges. Er war vielmehr im Mittelalter eine der ältesten und wichtigsten Handelsverbindungen durch Bayern, lange Zeit auch der »verkehrsreichste« Saumweg im ganzen südlichen Deutschland - »gulden« wegen der Maut- und Zolleinnahmen der am Wege liegenden Ortschaften und Besitztümer verschiedener Herrschergeschlechter. Kostbare Handelsgüter waren in erster Linie das Salz, aber Gewürze, Getreide, Früchte und sicherlich auch Glas. In Passau (in der Nähe des Schaiblingsturms) wurde das »weiße Gold« von Innschiffen, die vornehmlich aus dem Salzkammergut kamen, ausgeladen und von da ab auf dem Landwege nach Böhmen und Mähren weiterbefördert. Böhmen benötigte schon seit eh und je' das Salz; unter anderem zu Würz- und Konservierungszwecken, und anfangs waren es' offenbar allein die Böhmen, die den beschwerlichen und gefahrvollen Weg durch den »Nordwald« nach Passau wagten und begingen. Die ersten belegten Hinweise auf diesen Handelsweg datieren aus dem Jahre 1010. Im Laufe der Zeit bildeten sich vier Hauptwege heraus, die auch mehrfach untereinander über Quersteige in Verbindung standen; ihre wichtigsten Zielpunkte waren Bergreichenstein, Winterberg und Prachatitz (in der heutigen Tschechischen Republik) und das österreichische Mühlviertel. Auf den beschwerlichen Waldwegen und Steigen konnten die Waren nur von Kraxenträgern oder mit kleinen widerstandsfähigen »Saumrössern« transportiert werden. Räuberische Überfälle gehörten zur Tagesordnung.
Mehrfach belegt ist der Verlauf dieses bedeutenden Handelsweges im Bereich der Gemeinde Büchlberg. Vor allem Hufeisenfunde und heute noch nachweisbare Handwerksbetriebe oder Gasthäuser (Herbergen) zeugen immer noch von der ursprünglichen Wegführung. Wichtigster Ort war die Ansiedlung und das Pflegschaftsgericht Leoprechting (östl. der B12 gelegen), seit 1946 zum Markt Hutthurm gehörig. Die »Untere Straße« führte über den Büchlberger Ortteil Tannöd nach Reitberg. Bei diesem heutigen »Reitberger-Hof« teilten sich die Wege nochmals: einerseits Richtung Praßreut, über die »Erlauer Furt« bei der Freimadlsäge nach Eberhardsberg - andererseits nach Witzingerreut und Edthof. Beide stellten wichtige Querverbindungen dar und führten auch nach Waldkirchen. Der dortige Marktplatz soll seine Ausrichtung durch den Verlauf der im Hochmittelalter entstandenen »Abkürzung« über Eberhardsberg erhalten haben.

Walter H. Kreul

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